Paul et Virginie
Der Liebesroman «Paul et Virginie» von Bernardin de Saint-Pierre: Handlung, wahrer Hintergrund und Schauplätze von Curepipe bis zum Blue Penny Museum.
«Paul et Virginie» ist ein Roman, der auf der Insel Mauritius spielt. Er gehört zu den Standardwerken der französischsprachigen Literatur und wird auf Mauritius gern als Nationalroman bezeichnet. Kein literarisches Werk ist auf Mauritius berühmter als der Liebesroman des Franzosen Bernardin de Saint-Pierre, der einige Jahre auf der Insel lebte und ihn 1788 veröffentlichte. Der Roman ist sehr gefühlvoll geschrieben und gilt als Vorläufer der romantischen Literatur. Zugleich zeichnet Saint-Pierre ein kritisches Bild der Gesellschaft auf Mauritius zur Zeit der Sklaverei und der Klassengesellschaft.

In dem Roman geht es um ein junges Liebespaar, das in Pamplemousses nahe dem Botanischen Garten aufwächst. Als die beiden heranwachsen, wird Virginie von ihrer reichen Großtante nach Frankreich geschickt, denn sie soll dort ihre Ausbildung beenden. Paul und Virginie leiden so sehr unter der Distanz, dass sie schließlich beschließt, zu ihrem Paul zurückzukehren. Auf der Rückreise gerät das Segelschiff «Saint-Géran» vor der Küste im Nordosten der Insel in einen Wirbelsturm und geht unter. Virginie schafft es nicht bis zum Ufer und ertrinkt im Ozean.
Der Schiffbruch hat einen wahren Hintergrund: Die «Saint-Géran», ein Schiff der Französischen Ostindien-Kompanie, sank 1744 vor der Île d'Ambre im Nordosten von Mauritius. Ihr Wrack wurde 1966 von einheimischen Tauchern wiederentdeckt.
«Paul et Virginie» eignet sich auch gut für die Einstimmung auf die Insel, wenn Sie den Roman nicht erst auf Mauritius lesen wollen, denn er bringt dem Leser die Lebensgewohnheiten, die wunderschöne Landschaft sowie einige Probleme auf Mauritius nahe. Und sobald Sie auf Mauritius sind, werden Sie überrascht sein, wie häufig Sie Orten begegnen, die Sie durch den Roman kennengelernt haben. Denn das Liebespaar ist auf der Insel allgegenwärtig: In Curepipe steht im Townhall Garden eine Statue, die Paul zeigt, wie er Virginie über einen Bach trägt, und im Blue Penny Museum in Port Louis ist der Geschichte ein eigener Ausstellungsraum mit einer Marmorstatue von Prosper d'Épinay aus dem Jahr 1881 gewidmet.
Auch Cap Malheureux, das «Unglückskap» im Norden, und die Baie du Tombeau, die «Grabesbucht» nördlich von Port Louis, werden gern mit dem Roman in Verbindung gebracht. Ihre Namen haben jedoch andere Ursprünge: Cap Malheureux erinnert an die Landung der Briten im Jahr 1810, und die Baie du Tombeau heißt so wegen der vielen Schiffbrüche in ihren gefährlichen Gewässern.
«Paul et Virginie», Bernardin de Saint-Pierre, Verlag: Éditions Gallimard, ISBN-13: 978-2-07-031624-3
Oder die deutsche Übersetzung:
«Paul und Virginie», Bernardin de Saint-Pierre, Verlag: Outlook, ISBN-13: 978-3-368-51051-0